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Ist der Mensch wirklich der Richtige für seinen Hund?

Ein betroffener Australian Shepherd berichtet

Denkt der Mensch darüber nach, sich einen Hund zuzulegen, hat er die Vorteile sofort im Kopf: Das Tier treibt ihn an die frische Luft, mit einem Hund bewegt er sich mehr, hat stets Gesellschaft und den besten Freund an seiner Seite. So oder ähnlich klingen alle Hundebesitzer, die über die Gründe sprechen, warum sie sich ein Haustier zugelegt haben.

Was aber würde der Hund sagen, würde man ihn fragen, was so toll am Zusammenleben mit einem Menschen ist? Was würde er sich von einem Menschen wünschen, der ihn adoptiert? Gerne möchten wir an dieser Stelle mal ein Hundeexemplar zu Wort kommen lassen, der berichtet, wie es bei ihm so läuft und was ihm im Zusammensein mit seinem Menschen fehlt. Viele, teils leidvolle Erfahrungen zeigen nämlich, dass es gleich bei der Wahl des Tieres oder Rasse Fehler begangen werden, die zu großen Missverständnissen im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund führen können. 

Australian Shepard

Aber lassen wir doch mal den Hund zu Wort kommen:  

„Wuff zusammen. Mein Name ist Scotty und ich bin ein sieben Monate alter Australien Sherpherd. Seit ich als Baby von meiner Mutter weg bin, lebe ich mit meinem neuen Rudel zusammen. Das sind zwei große und zwei kleine Menschen, auf die ich gut aufpassen möchte und die ich, so gut es geht, in dem Häuschen mit kleinem Garten zusammen halte. Als kleiner Welpe dachte ich das sei ein Klacks. Schließlich kümmeren wir Sheppherds uns seit Generationen um ganze Schafherden, die auf riesigen Weiden gehütet werden müssen. Da würde eine vierköpfige Familie doch kein Problem sein. Dachte ich.

Alles fing ganz hoffnungsvoll an. Ich war noch bei meiner Mutter im Rudel, als immer wieder Leute kamen, um mich mit meinen Geschwistern zu begutachten. Voller Tatendrang und bis in die letzte Kralle gespannt, stürzte ich mich auf jeden Menschen,  der die Tür reinkam. Ich war neugierig und wollte alles Neue kennenlernen. Als mein späteres Rudel auflief und mit mir spielte, fand ich die total klasse. Wo zwei kleine Schäfchen waren, gab es mit Sicherheit noch mehr. Ich würde viel lernen und gut zu tun haben. So zog ich nach zehn Wochen bei Mama hochmotiviert und voller Vorfreude in mein neues Heim.

Ich gewöhnte mich schnell ein und lernte mein neues Rudel rasch und bis ins Detail kennen. Ich bin lernbegierig und – das soll nicht arrogant klingen – ziemlich intelligent. Mir muss man fast nichts zweimal sagen und manches sogar gar nicht, denn wenn ich etwas verstanden habe, entscheide ich alleine und handele dann auch so. Die erste Zeit bemühten sich meine Leute auch, mir alles zu zeigen und beizubringen, aber jetzt, nachdem ich stubenrein bin, SITZ, PLATZ und BLEIB kann, scheinen sie der Meinung zu sein, dass das alles ist, was ein Hund können muss.

Mir reicht das nicht. Ehrlich, ich gebe hier täglich mein Bestes und versuche meinen Job zu machen so gut es geht, aber ich verstehe nicht so genau worin der bestehen soll. Wir laufen drei kleine Runden am Tag, ich bekomme zweimal am Tag Futter und wenn die Kinder Zeit haben spielen sie auch recht nett mit mir, aber das kann es doch nicht gewesen sein? An manchen Abenden, wenn alle zusammen vor der flimmernden Kiste sitzen, bin ich doch sehr frustriert, weil ich mit meinem Tagewerk gar nicht zufrieden bin und jetzt endlich alle hüten möchte, die zu unserer Herde gehören.

In letzter Zeit kommt es sogar häufiger vor, dass sie mich ausschimpfen und in meine Ecke schicken. Das macht mich sehr traurig, weil ich doch nur helfen will. Die Tage z. B. hatten die Kinder Besuch. Im Garten spielten sie ein tolles Spiel, alle liefen auseinander und versteckten sich. Eine von ihnen zog los um den Rest zu suchen. Ich sah meine Stunde gekommen und war gerade dabei sie alle wieder zusammenzutreiben, als Frauchen wütend und aufgeregt aus dem Haus lief und mich anschrie. Ich verstand die Worte nicht, aber ihre Reaktion war eindeutig: Sie packte mich am Schlafittchen und sperrte mich ins Büro, bis der Besuch wieder weg war. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was hatte ich bitte falsch gemacht? Wie für einen guten Hütehund üblich, habe ich die kleinen Schäfchen in die Fersen gezwickt, um sie in die richtige Richtung zu treiben. Nicht fest, aber so dass sie die Botschaft verstehen. Das kam offenbar nicht gut an.

Oder letzten Monat war ich mit Herrchen die kurze Runde laufen, als uns ein Jogger über den Weg lief. Der rannte an uns vorbei und dann weg von uns. Sorry, Leute, aber wenn Herrchen nicht aufpasst, muss ich das doch übernehmen und den zurückholen. Also wieder dasselbe Spiel, ich rannte ihm nach, holte ihn ein und kniff in kurz in die Wade. Herrchen war stinksauer auf mich und entschuldigte sich mehrmals bei dem Jogger. Dabei hätte das umgekehrt sein müssen. Schließlich hatte ich gerade einen guten Job gemacht.  

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich weiß mein Rudel wirklich sehr zu schätzen, weil sie lieb zu mir sind, mich umsorgen, meinen Hunger stillen und gut auf mich aufpassen. Aber sie lassen mich nicht den Job machen, für den ich geboren bin. Ich fühle mich oft nervös und unausgeglichen, weil ich zu viel in der Gegend rumliegen und brav sein soll. Das ist lieb gemeint, aber leider nicht meins. Ich bin ein quirliges und aufgeschlossenes Kerlchen, das einfach ein bisschen mehr braucht. 

Aber ich bin recht zuversichtlich, denn seit letzter Woche gehen wir zusammen in die Schule: Frauchen und ich. Dort kann ich ihr endlich zeigen was ich alles kann und sie lernt besser mit mir umzugehen. Ich hoffe, dass sie genau so schlau ist wie ich und versteht, dass ich eine echte Aufgabe brauche und kein Sofahund bin. Haltet mir also die Daumen.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, oder?

Noch immer werden Hunde in erster Linie nach ihrem Aussehen ausgesucht. Sei es, dass man nach der passenden Rasse oder dem richtigen Welpen Ausschau hält. Über die Rasse wird sich häufig nicht ausreichend informiert und bei der Wahl des Welpen wird der genommen, der einem als Erster freudig aufgeregt auf den Schoss springt, weil der so süß und das so ein vertrauensvolles Verhalten ist. 

Damit das gemeinsame Leben so ablaufen kann wie gewünscht und der Hund das leisten kann, was von ihm erwartet wird, muss er vom Hundebesitzer richtig gesehen und seine Bedürfnisse richtig erkannt werden. Ein Hütehund bleibt Hütehund und hütet was das Zeug hält – gerade wenn es ein Australien Shepherd ist!!! 

Handelt man am Hund vorbei und kann dessen Ansprüche nicht befriedigen, stört das die Kommunikation zwischen Mensch und Tier immens und kann am Ende sogar dazu führen, dass beide trotz heftigem Bemühen nicht zusammen klar kommen. Ein Missstand, der leicht zu vermeiden wäre‚.